Der EMS-Dienstleister Kitron verfügt über modernste Produktionsstandorte in Skandinavien, Deutschland, China, USA und Litauen. Erstaunliche Ergebnisse in puncto Output und Qualität liefert der litauische Kitron-Standort mit einer VERSAFLOW 4/55 plus VERSAFLEX Lötmodul.

Anwenderbericht | Erschienen in: EPP  05 – 06 / 2018
Autor: Tobias van Rossem

Kitron ist weltweit tätig als EMS-Dienstleister und verfügt über modernste Produktionsstandorte in Norwegen, Schweden, Deutschland, China, USA und Litauen. Mit über 50-jähriger Erfahrung und umfassender Branchenkompetenz bringt die weltweit 1.450 Köpfe starke Mannschaft Qualität und Effizienz in sämtliche Stadien eines Produkt – lebenszyklus, so dass Innovationen schneller und mit weniger Kostenaufwand auf den Markt gelangen. Mit erstaunlichen Ergebnissen hinsichtlich Output und Qualität beeindruckt vor allem die Unternehmensniederlassung im litauischen Kaunas – unter anderem setzt man dort auf Inline-Selektivlöttechnologie von Systemlieferant Ersa.

Es ist gerade einmal 17 Jahre her, dass Kitron UAB mit 30 Beschäftigten in Litauen den Betrieb aufnahm. 2018, 28 Jahre nach Litauens Unabhängigkeitserklärung von der Sowjetunion, beschäftigt die baltische Repräsentanz in Kaunas ein Vielfaches davon: aktuell 750 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Damit ist inzwischen fast jeder zweite Kitron-Beschäftigte in Litauens zweitgrößter Stadt tätig. Auf aktuell 11.000 m2 Produktionsfläche wächst die EMS Produktion der Litauer bereits im dritten Jahr in Folge um 30 Prozent – alles andere als Zufall. Hier wird gezielt ein Business-Plan, eine Strategie in die Tat umgesetzt, die verfügbare Fläche beeindruckend effizient zum Einsatz bringt. Nachdem die aktuell frei verfügbare Fläche gerade noch 10 Prozent ausmacht, plant man im Unternehmen bereits die nächste Expansion – wo dieser neue Standort sein wird, ist noch nicht entschieden. Dass er nächstes Jahr kommt, ist definitiv beschlossene Sache, die Führung übernimmt die litauische Kitron UAB. „Bei unseren kontinuierlichen Wachstumsraten der letzten drei Jahre von bis zu 30 Prozent besteht dringend Handlungsbedarf. Wir gehen davon aus, dass sich unsere Entwicklung weiter auf diesem hohen Niveau bewegt, daher suchen wir bereits mit Hochdruck nach einem geeigneten Standort“, sagt Daumantas Barčas, Fertigungsleiter am Kitron-Standort Kaunas. „Am Beginn des 21. Jahrhunderts fertigte das Unternehmen schwerpunktmäßig Kabelstränge und einfache Elektronikkomponenten. Wir erhielten Hardware und Equipment von anderen Standorten aus Schweden und Norwegen – ein hervorragendes Starterkit für unsere Niederlassung hier in Litauen“, erinnert sich Senior Soldering Technologist Kestutis Žukauskas, der von Anfang an Teil von Kitron UAB war und direkt aus Kaunas stammt. Innerhalb kürzester Zeit gelang es dem Unternehmen, im litauischen Kaunas saubere Prozesse aufzusetzen und gute Ergebnisse zu erzielen, so dass Kunden Vertrauen fassten und ein eigener Kundenstamm aufgebaut werden konnte. Der Anteil interner Aufträge aus Schweden und Norwegen sank schnell, im gleichen Zug stiegen die Direktaufträge für eigene Kunden, bis man von einem echten Switch zum Direct Selling sprechen konnte. Heute liegt der Anteil der Direktkunden – überwiegend aus dem Baltikum, Skandinavien, Europa und USA – bei über 90 Prozent!

Power-Start in Litauen

Bereits drei Jahre nach dem Start in Kaunas übergab Kitron das Management der Niederlassung komplett in litauische Hände. In den folgenden vier Jahren war das Unternehmen eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen in der Region, erhielt dafür auch einen Award – kein Grund für die Litauer, sich auf den errungenen Lorbeeren auszuruhen. Vielmehr setzte man ab 2008 noch stärker auf die Implementierung von Lean Management-Methoden und betreibt mittlerweile einen zweiten Standort 17 km von Kaunas entfernt, wo Kabel konfektioniert werden und elektromechanische Montage stattfindet. „Lean Management ist zum natürlichen Bestandteil unseres Tagesgeschäfts geworden, ist uns quasi in Fleisch und Blut übergegangen – die Entwicklungen der letzten Jahre mit entsprechenden Wachstumsraten für Kitron in Litauen gehen darauf zurück und sprechen für sich“, sagt Daumantas Barčas selbstbewusst.

Wohin man auch schaut: Automotive, Elektromobilität, Smart Home – die Elektronikfertigung ist ein dramatisch wachsender Markt mit nahezu endlosem Bedarf. „Im Vordergrund stehen Top-Qualität und Entwicklungs-Know-how – Kunden bringen eine Idee mit, kommen mit der Frage: Wie machen wir daraus ein wettbewerbsfähiges Produkt? Es wird vorausgesetzt, dass wir über die eigentliche Fertigung hinaus bereits in der Produktentwicklung unterstützen können und anschließend auch das Testing mit abdecken.
Der Kunde will nicht selbst testen oder einen dritten, vierten Partner ins Boot holen, er beauftragt uns mit der Herstellung eines komplett durchproduzierten Produktes und benötigt dafür einen Partner auf Augenhöhe“, erklärt Produktionsleiter Daumantas Barčas. Natürlich profitiert Kitron UAB von der Anbindung an die Unternehmenszentrale in Norwegen und der nunmehr über 50-jährigen umfassenden Branchenexpertise. Diese fließt etwa in standortübergreifende Audits ein, die sowohl zu Standardprozessen als auch Standardequipment im Unternehmen führen. Dies wird stets auf globalem Level diskutiert und entschieden und kommt dann länderübergreifend in Schweden, Norwegen, Litauen und anderswo zum Einsatz. Wenn eine Entscheidung für einen Lieferanten getroffen wurde, greifen sämtliche Niederlassungen auf diese Quelle zu. Und natürlich gibt es auf Unternehmens-Ebene mehrmals im Jahr Meetings, in dem sich Management und Produktionsleitung über Prozesse, Abläufe und Best Practice austauschen – eine hervorragende Grundlage für Entscheidungen auf internationalem Level, die zu höchster Effizienz auf allen Ebenen führen.

Quality first als Maxime

Weil das Kitron-Team neben Output und Produktivität vor allem auch größten Wert auf Qualität legt – möglichst als sogenannten „One Piece Flow“ –, führte die litauische Produktionsleitung vor acht Jahren die Selektivlöttechnologie ein. Die skandinavischen Kollegen hatten diese schon seit Jahren im Einsatz, als Inlinetechnologie auf Basis von zwei Ersa Versaflow B Maschinen, die weiterhin reibungslos ihren Dienst erfüllen. Es gab also bereits gute Erfahrungen in der Unternehmens-Gruppe in Verbindung mit Ersa Selektivlöttechnologie. Folgerichtig erweiterte dann vor drei Jahren eine Badge-Maschine vom Typ Ersa Ecoselect 1 den Kitron-Maschinenpark in Kaunas – mit zwei Löttiegeln lieferte das Selektivlötsystem mit zwei Löttiegeln höchste Kapazität auf kleinster Stellfläche. Ein Jahr später folgte die Anfrage für ein High-Volume-Produkt – definitiv ein Kandidat für Inline Selektivlöten. In dem Fall bat Kitron zwei Unternehmen um Unterstützung und Vorschläge, wie das Produkt bestmöglich zu produzieren sei – damals ging der Zuschlag an einen Ersa Mitbewerber. Wieder ein Jahr später das nächste High-Volume-Produkt, für das eine weitere Selektivlötanlage angeschafft werden sollte. Inzwischen hatte Ersa die Versaflow 4/55 auf den Markt gebracht – mit dem extrem flexiblen Selektiv-Doppellötmodul Versaflex, verbaut auf zwei unabhängigen Achsen und individuell verfahrbar in x/y/z-Richtung. „Grund für unsere Entscheidung war neben der Leistungsfähigkeit der Versaflow 4/55 vor allem die extreme Flexibilität des Selektivlötmoduls Versaflex, die unsere Ansprüche in jeder Hinsicht am besten erfüllen konnte. Auf dieser Maschine können wir die aktuelle High-Volume-Produktion fahren – können aber auch sehr flexibel reagieren, sollten sich die Anforderungen kundenseitig ändern“, sagt Senior Soldering Technologist Kestutis Žukauskas. „Für die aktuelle Generation unserer Selektivlötsysteme hatten wir mit Versaflex die revolutionäre Vision, dass sich die Tiegel komplett flexibel positionieren lassen. Denn wie wir wissen, kann der Produktlebenszyklus vom Lebenszyklus einer Maschine abweichen – und was dann? Dank Versaflex kein Problem“, sagt Ersa Area Sales Manager Tobias van Rossem, der neben Skandinavien auch das Baltikum betreut.

Geforderte Zykluszeit in optimaler Qualität

Die Versaflow 4/55 wurde seitens Kitron UAB für ein bestimmtes Produkt kalkuliert – warum der Wechsel zum Selektivlöten für ein vergleichsweise einfaches, einseitiges Board mit zehn Konnektoren, das für Wellenlöten designt wurde? Mit der Welle war die Qualität nicht so hervorragend wie gewünscht, eine Nachbearbeitung wäre fällig geworden. Bedingt durch Lötbrücken in einigen Bereichen.
So kam das Unternehmen zu dem Schluss, dass das Design nicht optimal für Wellenlöten war – der Prozess wurde in Richtung Selektivlöten erweitert, um fehlerlos löten zu können. Und siehe da: Prozessseitig erhielten die Litauer hinsichtlich Zykluszeit, Prozess und Qualität mit der Ersa Löttechnologie exakt das, was man erwartet hatte. Auch wenn hier ein zunächst höheres Investment einkalkuliert werden musste, um ähnliche Kapazitäten zu erreichen – durch den Ausschluss von Nacharbeit war die Amortisierung dann aber mehr als vertretbar. Die Entscheidung für die Versaflow 4/55 mit Versaflex war damit nur noch Formsache – Grundlage dafür war sicher auch das Training im Democenter in Wertheim, wo eingehend getestet wurde, ob die Maschine tatsächlich leistet, was gefordert wurde – kurz und gut: Sie tat es, die Order ging an Ersa. Bei der eigentlichen Installation in Kaunas durch Ersa Techniker erweiterte das Unternehmen seinen Maschinenpark um eine Selektivlötmaschine, die das Produktionsteam vorher schon eingehend kennengelernt hatte. „Mit der Investition in das Ersa Versaflex System erreichen wir die geforderte Zykluszeit in optimaler Qualität – auch das Feedback unserer Kunden ist sehr positiv. Für uns ist dies jedoch nur der Anfang – wir halten intensiv Ausschau nach Produkten, bei denen wir mit Hilfe dieser leistungsstarken Inline-Selektivlöttechnologie eine ebenso starke Lösung erreichen und analog einen Transfer von Wellenlöten zu Selektivlöten vornehmen können. Wir sind sehr zufrieden mit den Ersa Systemen und dem damit verbundenen schnellen technischen Support. Wir benötigen künftig sicher weitere zuverlässige Systeme und einen Systempartner, auf den in puncto Elektronikfertigung rundum Verlass ist“, sagt Daumantas Barčas im
Vorgriff auf kommende Projekte.

Auch wenn es um die Ausstattung des neuen Standortes und damit ein klar formuliertes Ziel geht – etwa die Duplizierung eines perfekt eingespielten Systems mit größtmöglicher Automatisierungsrate. Oder wie auch immer die Anforderungen seitens Kitron hinsichtlich Löttechnologie lauten mögen – Ersa antwortet darauf ebenso deutlich: Yes, we can!

rossem
TOBIAS VAN ROSSEM
AREA SALES MANAGER

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